„Werdet berufspolitisch aktiv – das ist ein schönes Ehrenamt“

Dr. Nilüfer Gündog aus Sachsen setzt sich für die Belange angestellter Ärzte im ambulanten Bereich ein

Immer mehr Ärztinnen und Ärzte interessieren sich für eine Tätigkeit im ambulanten Bereich oder sind dort schon tätig. Die stetig steigende Zahl ambulant Angestellter untermauert dies. Marburger-Bund-Mitglied Dr. Nilüfer Gündog aus Sachsen erläutert im MBZ-Interview mit Jörg Ziegler, stellvertretender MBZ-Chefredakteur, warum sie sich für die ambulante Anstellung entschieden hat und geht auf ihr Engagement in der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen ein.

Frau Dr. Gündog, Sie sind Vorsitzende des Beratenden Fachausschusses der angestellten Ärzte in der KV Sachsen und zudem Mitglied der Kammerversammlung der Sächsischen Landesärztekammer. Warum engagieren Sie sich?

Dr. Nilüfer Gündog: Ich bin seit der ersten Stunde, also seit 2007, seitdem es möglich ist, als Facharzt im ambulanten Bereich ohne Leistungsbeschränkung angestellt zu sein, dort tätig – weil ich von dieser Arbeitsweise überzeugt bin. Meine Überzeugung geht soweit, dass ich seit fast zehn Jahren Workshops gebe und Vorträge darüber halte, wie gut es ist, angestellt im ambulanten Bereich als Ärztin beziehungsweise Arzt zu arbeiten. Und deshalb habe ich mich, als 2017 der Beratende Fachausschusses der angestellten Ärzte in der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen konstituiert wurde, zur Wahl gestellt und bin gleich Vorsitzende geworden.
Inzwischen arbeiten immer mehr Ärztinnen und Ärzte in der ambulanten Anstellung – mittlerweile sind es bundesweit fast 40.000, Tendenz steigend. Deshalb ist es unabdingbar, dass wir als Gruppe sowohl in den KVen als auch in den Kammerversammlungen entsprechend vertreten sind. Darum habe ich mich in diesem Jahr einer weiteren Wahl gestellt und bin nun auch Mandatsträgerin der Kammerversammlung der Sächsischen Landesärztekammer.

Warum sollten sich andere Kolleginnen und Kollegen in ambulanter Anstellung engagieren?

Gündog: Nur wer sich engagiert, kann etwas bewirken.

Was muss passieren, damit angestellte Ärztinnen und Ärzte im KV-System angemessen repräsentiert sind?

Gündog: Wir müssen angestellte Ärztinnen und Ärzte aus diesem Bereich motivieren, sich berufspolitisch zu engagieren, sich aktiv an dieser neu entstehenden Struktur im ambulanten Bereich zu beteiligen. Die Zahl der Niederlassungen ist rückläufig, während die Zahl der Anstellungen steigt. Und deshalb appelliere ich an alle angestellten Kolleginnen und Kollegen im ambulanten Bereich, berufspolitisch aktiv zu werden. Das ist ein schönes Ehrenamt.

Wie viel Zeit investieren Sie für das Ehrenamt?

Gündog: Das kann ich Ihnen nicht sagen; es ist auf jeden Fall nicht wenig. Aber es ist ja auch für eine gute Sache.

Wie meinen Sie, könnten die Kolleginnen und Kollegen motiviert werden, sich zu engagieren?

Gündog: Erst einmal muss man sie interessieren. In Sachsen habe ich die erste Informationsveranstaltung für angestellte Ärzte und Psychotherapeuten auf den Weg gebracht. Sie hat in der Kassenärztlichen Vereinigung in Dresden stattgefunden – mit 40 Teilnehmern. Dafür sind alle 3.500 angestellten Ärzte und Psychotherapeuten, die bei der KV Sachsen gemeldet sind, angeschrieben worden.
Darüber hi­naus habe ich im Frühjahr in der Vertreterversammlung einen Vortrag zur Entwicklung im Bereich der ambulanten Anstellung gehalten. Das wurde auch in der KV-Zeitschrift abgedruckt, sodass die Kolleginnen und Kollegen sehen konnten, dass man sich auch als nicht niedergelassener Arzt beziehungsweise Ärztin in der KV engagieren darf und kann.

Warum bevorzugen Sie als Fachärztin für Allgemeinmedizin das Angestelltenverhältnis in ­einer Praxis gegenüber anderen ­Optionen?

Gündog: Ich habe Medizin studiert, um Ärztin zu werden und Menschen zu helfen. Sämtliche betriebswirtschaftlichen Aufgaben, die eine Niederlassung mit sich bringt, gehören als Angestellte nicht zu meinem Aufgabenbereich. Ich kann und darf mich ausschließlich auf meine Arbeit als Ärztin und die Betreuung meiner Patienten konzentrieren.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz der Arbeit im Angestelltenverhältnis aus?

Gündog: Ich bin dankbar, dass ich meinen Beruf als Ärztin ausüben darf. Und so ausschließlich ist es eben nur im Angestelltenverhältnis möglich.

Frau Dr. Gündog, vielen Dank für das Gespräch.

ziegler@marburger-bund.de